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Stadtentwicklung und Regionalplanung

Stadtentwicklung und Regionalplanung muß umfassende Umweltgestaltung sein

Die Stadt ist in den letzten Jahrzehnten erheblich gewachsen, die Zahl der Einwohner, vor allem aber was die Arbeitsplätze und die Siedlungsfläche betrifft. Dieses Wachstum stößt inzwischen an ökologische Grenzen. Hinter dem Ziel „Wachstum“ steht die Vorstellung, daß allein dadurch die Entwicklung einer Stadt und die Lebensverhältnisse ihrer Bürger positiv gestaltet werden kann.

Macht es aber Sinn, möglichst viel Arbeitsplätze für die Region in Heidelberg zu konzentrieren? Oder ist es nicht sinnvoller, die Arbeitsplätze in der Nähe der Wohnorte zu belassen oder dort anzusiedeln? Heute gibt es in Heidelberg mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze wie Berufstätige hier wohnen. Die Arbeitslosenquote ist
aber in Heidelberg genau so hoch wie in der Region.

Kein Wunder: Sie ist ein Problem der Konjunktur und der Struktur des Arbeitsmarktes. Die Konzentration von Arbeitsplätzen in einer Stadt schafft keine neuen Arbeitsplätze, sie verlagert sie lediglich.

Die Folgen einer solchen allein an Wachstum orientierten Politik werden übersehen:
- Es müssen ständig neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden, ohne Rücksicht darauf, welche Auswirkung die Bebauung auch der letzten Freiflächen auf die Lebensqualität in der Stadt hat.
- Die Zahl an Einpendlern steigt. Lärm und Abgasbelastung führen zu einer Verschlechterung der Wohn- und Umweltbedingungen.
- Eine große Zahl der hier Arbeitenden würde gerne auch in Heidelberg wohnen. Deshalb ist Wohnraum in Heidelberg knapp und teuer.

Stadtentwicklung heißt Umweltgestaltung

Die Stadtentwicklung muß umfassende Umweltgestaltung sein.

Dies bedeutet für Heidelberg: Es gibt keine großen, unbebauten Flächen mehr, die für neue Wohn- u. Arbeitsgebiete ausgewiesen werden können, ohne erhebliche ökologische Schäden zu verursachen. Die Zahl der Wohnungen, die in Heidelberg noch gebaut werden können, ist begrenzt. Lediglich mit der Bahninsel und dem Rangierbahnhof (Bahnstadt) steht noch ein größerer neu bebaubarer innerstädtischer Bereich zur Verfügung, auch für Gewerbefläche. Für die Bestandspflege des bestehen Gewerbes und zur Umstrukturierung aufgrund veränderter Nachfrage müssen daneben vor allen nicht genutzte Gewerbeflächen wieder einer Verwendung zugeführt werden.

Arbeiten, Wohnen und Freizeit in der Stadt und den Stadtteilen

Nicht nur in der Region, auch innerhalb Heidelbergs muß eine Ausgewogenheit der einzelnen Funktionen eines Stadtteils angestrebt werden. Ziel muß es sein, eine weitgehende Bedarfsdeckung für alle Lebensbereiche
am Wohnort zu erreichen. Die Entwicklung der Altstadt zum Rummelplatz des Tourismus, die Konzentration von Arbeitsplätzen in Bergheim und im Neuhenheiner Feld, der Bau des Emmertsgrundes als Schlafstadt
war falsch. Im Bereich der Bahnstadt besteht heute die große Chance, einen Stadtteil mit einer ausgewogenen Funktionsmischung zu entwickeln.

Stadtentwicklung heißt auch Regionalplanung

Die wesentlichen Aufgaben der Stadtentwicklung können nicht mehr innnerhalb der Gemarkungsgrenzen einer Stadt oder Gemeinde gelöst werden, das Potential der gesamten Region ist hierfür nötig. Die großen Zentren - die Städte - haben die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit erreicht; bauliche Erweiterungen großen Umfanges können nicht mehr stattfinden. Zur Beseitigung von Fehlentwicklungen und zur Verbesserung der Lebensqualität müssen alle Gemeinden unserer Region im Nachbarschaftsverband und Raumordnungsverband wirksamer zusammenarbeiten.

Regionaler öffentlicher Nahverkehrsverbund

Voraussetzung für dieses Zusammenwirken ist der Auf- und Ausbau eines leistungsfähigen Nahverkehrsnetzes, nicht nur für Personen, sondern auch für Güter: ein Verbundsystem von Straßenbahn, Schnellbahn und Buslinien. Um diesem Nahverkehrsverbund eine Chance zu geben, müssen alle Investitionen im Verkehrsbereich hier konzentriert werden. Das bedeutet: weitere Straßen können nicht gebaut werden

Arbeiten und Wohnen in der Region

Der Wohnungsmangel muß im Zusammenwirken der gesamten Region behoben werden. Die Arbeitsplätze müssen im Nahbereich der Wohnungen angesiedelt werden. Der verbleibende Pendlerverkehr muß zum größten Teil auf den öffentlichen Nahverkehr verlagert werden.

Heidelberg kann nicht weiter Wirtschaftsförderung im Alleingang betreiben. Auf der Ebene des Nachbarschaftsverbandes und des Raumordnungsverbandes müssen sanfte Lösungen der Entwicklung gefunden
werden. Der Bedarf an Arbeitsplätzen und Wohnungen, die Reserven für Gewerbeansiedlung und Wohnungsbau müssen regional ermittelt werden. Ziel muß sein die Lebensqualität und die Situation der Umwelt zu
schützen bzw. zu verbessern.

 

Zahlen zur Stadtentwicklung

© Bunte Linke 2003